Die Initiative regioWasser e.V. – Freiburger Arbeitskreis Wasser bedankt sich ausdrücklich für die umfassende Arbeit, die in den Entwurf der Klimaanpassungsstrategie eingeflossen ist. Folgend werden einige Ergänzungen und Konkretisierungen vorschlagen, um die Strategie wirksamer und verbindlicher zu gestalten.
Aktivierung von Anwohner:innen bei Schwammstadt-Maßnahmen
Der Strategieentwurf sollte konkrete Wege aufzeigen, wie interessierte Bürger:innen in die Umsetzung von Schwammstadt-Maßnahmen eingebunden werden können. Besonders das niederländisch-belgische Modell des „Tegel-Wippens“ („Asphaltknacken“) bietet sich an: Die Stadt sollte nicht nur rechtliche Restriktionen lockern, sondern das aktive Entsiegeln von Gehwegen entlang privater Hauswände explizit fördern. Die Freiblock-Initiative hat hierzu bereits erste Gespräche mit dem GuT geführt.
Darüber hinaus regen wir folgende Maßnahmen an:
- Möglichkeiten schaffen, auf Privatgrundstücken mit einfachen Mitteln Retentionsbereiche einzurichten. Das Beratungsprogramm „Gebäudegrün hoch 3“ sollte kurzfristig um das Thema Versickerung erweitert werden („Gebäudegrün hoch 4“). Unsere Pilotanlagen zeigen, dass die Versickerung von Dachablaufwasser mit einfachen Mitteln möglich ist. regioWASSER e.V. steht für ein entsprechendes Beratungsprogramm zur Verfügung.
Beispielgebende Entsiegelungsmaßnahmen im Straßen-, Park- und Gehwegbereich
Wir empfehlen die Ableitung von Nebenstraßenwasser in neu entsiegelte Flächen (Mulden, Mikrogrünbereiche, neue Baumpflanzungen, vergrößerte Baumscheiben). Besonders geeignet sind ungenutzte Flächen zwischen Gehwegen und Straßen-/Parkraum. Wir schlagen die zeitnahe Umsetzung von Pilotprojekten, z.B. im Schwammstadtquartier Oberau oder Oberwiehre, vor. Anschließend sollte evaluiert werden, wie durchlässig gemachte Bordsteine und umgeleitete Gullys die Niederschläge in die neuen Retentionsflächen ableiten. Die Erfahrungen mit „Grün-Gullys“ in Berlin können hier einfließen.
Übernahme der Kampagne „Gießkannen-Held:innen“ nach Freiburg
Das in Essen, Gelsenkirchen, Düsseldorf und Dresden erfolgreich praktizierte Modell „Gießkannen-Held:innen“ sollte auch in Freiburg eingeführt werden. Dabei werden Ein-Kubikmeter-Tanks an öffentlichen Gebäuden installiert, die von engagierten Anwohner:innen zur Bewässerung genutzt werden. Das Modell fördert privates und ehrenamtliches Engagement und sensibilisiert für das Wohl der Freiburger Straßenbäume. Es bietet eine Lösung für das Problem, dass Bewässerung des Stadtgrüns oft an fehlendem Wasser und Personal scheitert.
Ver- und Entsiegelungskataster sowie Monitoring
Wir fordern ein transparentes Ver- und Entsiegelungskataster für die Stadt und die einzelnen Quartiere. Quadratmeterangaben zu entsiegelten Flächen und ein zeitnahes, aussagekräftiges Monitoring sind unerlässlich, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen. Der im Strategieentwurf genannte mittelfristige Zeithorizont für das Monitoring ist zu wenig ambitioniert – die Indikatoren werden jetzt gebraucht.
Kronenvolumen statt Stückzahlen
Für die Kühlwirkung von Bäumen ist das Kronenvolumen entscheidend. Die Stadt sollte künftig nicht nur Stückzahlen, sondern das Kronenvolumen als Indikator für die potenzielle Kühlleistung in Straßenzügen, Quartieren und der Gesamtstadt erfassen.
Interkommunale Zusammenarbeit bei der Hochwasservorsorge
Hochwasservorsorge kann nur gemeinsam mit den Nachbargemeinden gelingen. Die Strategie sollte klar ausformulieren, wie die Zusammenarbeit mit Umlandgemeinden bei der Entwicklung einer „Schwamm-Landschaft“ und der Reduzierung von Mischwasserentlastungen konkret aussehen kann. Zielvorgaben wie die Abkopplung von 25 % der abflusswirksamen Flächen von der Kanalisation bis 2040 (wie im Ruhrgebiet) sind sinnvoll.
Reduzierung der Mischwasserentlastungen und Kanalabkopplung
Die Folgen der Freiburger Mischwasserentlastungen für die aufnehmenden Vorfluter (z.B. Zähringer Dorfbach) bleiben im Strategieentwurf unberücksichtigt. Die Maßnahme „Kanalabkopplung“ sollte mit einem klaren Ziel, einer Zeitvorgabe und einem Maßnahmenkatalog hinterlegt werden.
Weitere Vorschläge (stichpunktartig)
- Einbau einer Zisterne im Colombipark zur Nutzung von Dachablaufwasser für die Baumbewässerung
- Nutzung von Brunnenablaufwasser für Bäume in Dürrephasen (z.B. Stühlinger Kirchpark, Adelhauser Platz, Rathausplatz)
- Offensive für Fassadenbegrünung, insbesondere in der Innenstadt
- 0,5 %-Initiative: Jährlich 0,5 % des Straßen- und Parkplatzraums entsiegeln und mit Bäumen bepflanzen
- Nutzung des Aus- und Neubaus der unterirdischen Infrastruktur (z.B. Fernwärmeausbau) für Schwammstadt-Maßnahmen
- Prüfung, ob Hochwasser zur Wiederbefeuchtung des Mooswaldes genutzt werden kann
Mehr Stringenz bei Zeitvorgaben
Die im Strategieentwurf verwendeten Zeitangaben „kurzfristig“, „mittelfristig“ und „langfristig“ sollten klar quantifiziert werden. Mehr Ehrgeiz und Stringenz sind notwendig, um die Umsetzung der Maßnahmen angesichts der Klimakrise zu gewährleisten. Verbindlichkeit und Nachvollziehbarkeit sind Schlüsselbegriffe aus den Begründungen zum Klimaanpassungsgesetz und zur Klimaanpassungsstrategie des Bundes.
Diskussion auf der Metaebene
In der Stärken- und Schwächen-Analyse des Strategieentwurfs wird deutlich, dass das Silodenken in den Ämtern ein Hemmnis darstellt. Es fehlt an dezernatsübergreifender Handlungsbefugnis und Ressourcenplanung für querschnittsorientierte Maßnahmen. Hier sind innovative und engagierte Lösungen gefragt, um die Klimaanpassung effektiv voranzubringen.