Schwammstadt andernorts – Hemmnisse in Berlin

Warum geht es mit der „Schwammstadt Berlin“ nicht voran?

„Damit Berlin im Klimawandel für Mensch und Natur erträglich bleibt, müsste die Stadt konsequent umgebaut werden. Mit den alten Strukturen gelingt das nicht.“

So beginnt eine Analyse im Berliner Tagesspiegel vom 13.04.24. Dem Tagesspiegel war ein Phänomen aufgefallen, das es täglich auch in vielen anderen deutschen Städten zu beobachten gibt. Eine Ber-liner Wohnstraße war aufgegraben worden, um überalterte Trinkwasserleitungen zu erneuen. Warum hat man die Chance nicht genutzt, im Rahmen dieser Tiefbaumaßnahmen die Niederschlagsentwässerung vom Mischwasserkanal abzukoppeln um das Regenwasser künftig dezentral zu versickern? Die Antwort der  Berliner Wasserbetriebe: Man sei verpflichtet den Status  quo wiederherstellen. Dem Tagesspiegel kommt dieser Usus nicht gerade klug vor, weil doch „der Klimawandel mit immer neuen Hitzerekorden und seltenerem, aber heftigerem Regen sinnvollere Alternativen“ verlangen würde. Der Tagesspiegel reagiert ob der fatalistischen Antwort der Berliner Wasserbetriebe entgeistert:

„Dieselben Wasserbetriebe, unter deren Dach sich die Regenwasseragentur seit fünf Jahren müht, Berlin zur ‚Schwammstadt‘ zu machen, in der möglichst viel Regenwasser versickert, um das Mikroklima zu verbessern und der Natur zu helfen, statt die Kanalisation zu überlasten.“

Angesichts dieser Widersprüche hat sich der Tagesspiegel auch an die Berliner Umweltverwaltung gewandt. Die antwortete, dass im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vom 26. April 2023 die „Entwicklung eines Entsiegelungsprogramms“ vereinbart worden sei. Dieses Programm liege aber noch nicht auf dem Tisch. Der Tagesspiegel reagiert skeptisch, denn der auf Anfrage verkündeten Behauptung, wonach „die Entsiegelung von nicht mehr genutzten und nicht mehr benötigten Straßen ein bedeutender Teilaspekt der Entsiegelung“ sei, kann die Zeitung keinen Glauben schenken. Die Behauptung sei „gewagt angesichts des von der Hausleitung geführten Kampfes um jeden Autoparkplatz, von Irrsinn wie der A100-Verlängerung nicht zu reden“. Man dürfe gespannt sein, welche „Möglichkeiten für den Rückbau und die Entsiegelung im Verkehrsbereich“ die Verwaltung tatsächlich finden werde.

Zwingend für ein Schwammstadt-Konzept: Der Verzicht auf Parkplätze

Auch der Tagesspiegel geht davon aus, dass die Entsiegelung auf Kosten von Parkplätzen gehen werde. Aber das sei angesichts der Klimaentwicklung die einzig richtige Prioritätensetzung bei der Abwägung zwischen auto- und menschengerechter Stadt. Konsequent wäre, das Nebennetz möglichst zu Einbahnstraßen zu machen und die dadurch frei werdende Spur zu begrünen“.

Das aber selbst harmlosere Schwammstadt-Maßnahmen in Berlin nicht vorankämen, sei auf die organisierte Unzuständigkeit in der Hauptstadt zurückzuführen: „Ressourcen fehlen ebenso wie Strukturen, damit mehr gelingt als lokale Leuchtturmprojekte.

Der Tagesspiegel hat aber auch eine Vision:

„Möglicherweise ändert sich die Lage nächstes Jahr: Sollte der ‚Volksentscheid Baum‘ erfolgreich sein, bekommt Berlin ein Gesetz, das zur Klimaanpassung zwingt – mit viel mehr Grün an Straßen und Fassaden, am meisten in den Kiezen, die es am nötigsten haben. Es wäre zu wünschen, dass die Berliner ihre Stadt dazu zwingen.“

Der ganze Artikel unter:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/noch-langst-nicht-saugfahig-berlin-verschlaft-den-umbau-zur-schwammstadt-11501273.html

Alle Infos zum Berliner „Volksentscheid Baum“:

https://explore.ecosia.org/baumentscheid

„Die Weichen werden für die nächsten 50 Jahre falsch gestellt“

Vor mehr als einem Jahr hatte sich der Berliner Tagesspiegel schon einmal den Hemmnissen angenommen, die den Weg zur Schwammstadt Berlin blockieren. Unter der Überschrift  „Berlins Herausforderungen: Hauptschwammstadt“ war am 15.03.23 berichtet worden, dass sich die aus eh vorgenommenen Straßenbaumaßnahmen ergebenden Chancen zum Schwammstadt-Umbau notorisch nicht genutzt würden. „Aber wir können uns nicht mehr erlauben, bei Bauarbeiten die Weichen für die nächsten 50 Jahre falsch zu stellen“, wurde in dem Artikel der Landschaftsplaner Uli Christmann zitiert. Vor allem im Bestand, wo der Umbau zur Schwammstadt am dringlichsten wäre, seien die Fortschritte „minimal“. Und noch mal minimaler sei die Entwicklung hin zur Schwammstadt im öffentlichen Straßenraum. Für mehr Drive müsste man eigentlich im Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg sorgen. Dort hat man nämlich „von den Bezirksverordneten die Vorgabe bekommen, bis 2026 zehn Prozent des Straßenlandes zu entsiegeln. Als einer der ersten Schritte werde geprüft, wo in bisher baumlosen Straßen Bäume gepflanzt werden könnten, um Schatten zu generieren“. Die Überlegungen würden mit Verkehrsberuhigung kombiniert: „Eine Einbahnstraße unterbinde nicht nur Durchgangsverkehr, sondern komme auch mit einer Fahrspur weniger aus.Der ganze Artikel unter:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/serie-berlins-herausforderungen-hauptschwammstadt-9142413.html