Kurzer Bericht von der Veranstaltung mit ARD-Wettermann Sven Plöger am 24. April 2025 in Bad Krozingen

Die Kollegen vom Arbeitskreis Klimaschutz Bad Krozingen haben gerödelt und am 24. April 2025 eine beispielgebende Veranstaltung mit Publikumsmagnet Sven Plöger, ARD-Wettermann, auf die Beine gestellt. Die Veranstaltungsräumlichkeit im Albaneum in Bad Krozingen war mit mehr als 220 ZuhörerInnen überfüllt – was leider auch eine drückend heiße Atmosphäre im Vortragsraum zur Folge hatte: 220 TeilnehmerInnen mal 70 W Ruhestoffwechsel pro Person macht in der Summe 15,4 kW biogene Heizleistung aus.

Über 220 ZuhörerInnen folgten gebannt im Albaneum Bad Krozingen am 24. April 2025 dem rhetorisch exzellent vorgetragenem Referat des Meteorologen Sven Plöger zur eskalierenden Klimakrise und was dagegen zu unternehmen sei (Foto: regioWASSER 2025).

Nach der Einführung durch Moderator Henrik Langholf und durch die Kollegen vom Ak Klimaschutz wurde das Wort kurz an den Kurdirektor von Bad Krozingen, Herrn Rubsamen, übergeben. Rubsamen erinnerte daran, dass man Sven Plöger im ARD-Wetterbericht seit Wochen aufgrund einer Knieverletzung beim Vortragen der Wettervorausschau sitzend sehen würde. Der Kurdirektor richtete an Plöger die Einladung, sich in der Kurstadt Bad Krozingen behandeln zu lassen. Die Genesung wäre dann ratzfatz sichergestellt.

Stefanie Werner, Produktmanagerin Systemlösungen bei badenova, stellte in einem souverän vorgetragenen Referat anschließend die Fördermöglichkeiten bei Planung und Finanzierung für energie- und kosteneffizientes Wohnen und für Schwammstadt-Maßnahmen durch badenova vor. Themen waren u.a. der Sanierungsfahrplan und die Vereinbarung von Dach-PV-Anlagen mit einer Dachbegrünung.

Sodann kam die Reihe an Sven Plöger, der sich aufgrund der langandauernden Kniebeschwerden mit Krücken zur und auf die Bühne bewegen musste. Plöger leitete seinen witzig gestalteten und immer wieder Lacher im Publikum provozierenden Vortrag mit den Worten ein, das es solche engagierten Menschen wie beim Ak Klimaschutz brauche, um die weitverbreitete Resignation zu überwinden. Plöger erklärte auch kurz seine langandauernde Knieverletzung: Weder beim Gleitschirmfliegen, noch beim Mountainbiken noch beim Skifahren (das praktiziere er alles), sondern beim Stolpern über eine kleine Treppe auf dem Weg von der Post sei das Malheur passiert. 

In seinem frei vorgetragenen Referat unter dem bekannten Titel eines seiner Bücher „Zieht Euch warm an, es wird noch heißer“ betonte Plöger, dass er kein Apokalyptiker sei. Der Referent kokettierte mit seinen fließend aufgelisteten lateinischen Bezeichnungen der unterschiedlichsten Wolken. Der fesselnde Vortrag war das nicht eben geringe Honorar für Herrn Plöger wert. 

Plöger nahm Bezug auf eine ZDF-Sendung von Hoimar von Ditfurth aus dem Jahr 1978, in dem von Ditfurth schon vor 47 Jahren exakt den Klimawandel erläutert hatte. Plöger forderte die ZuhörerInnen auf, trotz Donald Trump („Drill, Baby Drill!“) das Denken nicht aufzugeben: „Denken dürfen wir weiterhin!“Beispielsweise über die Folgen eines extrem niedrigen Erdölpreises, den Trump verspreche. Die Chefs von Big Oil seien darüber gar nicht begeistert gewesen. Die Folgen eines Erdölpreises von deutlich unter 50 Euro pro Barrel seien für deren Geschäft schlecht, weil sich dann beispielsweise Fracking nicht mehr lohne. Insofern seien viele Aussagen des „Narzisten“ im Oval Office nicht ernst zu nehmen. Tatsächlich ernsthaft besorgt habe ihn aber folgende Ankündigung von Trump „Ihr müsst nur noch einmal wählen und dann nie wieder!“ Plöger nahm dieses Zitat zum Anlass, eindringlich vor dem Populismus zu warnen: „Die Populisten haben nie ein Problem gelöst, sondern immer nur neue Probleme geschaffen!“

Anschließend widmete sich Plöger den Klimaprojektionen: Plus 2,1, plus 2,7 oder gar 3 bis 4 Grad. Als Nicht-Apokalyptiker wollte Plöger nicht darauf eingehen, wie eine 3 bis 4 Grad wärmere Welt aussehen würde. Stattdessen erläuterte Plöger, wie eine 3 bis 4 Grad kältere Welt vor 11.000 Jahren zu Zeiten der Eiszeit ausgesehen habe.

Ein weiteres Thema: Die Böden werden infolge der steigenden Temperaturen und Verdunstung immer trockener. Daraus folge: „Wir brauchen Pflanzen mit Migrationshintergrund.“ Umgekehrt werde die Atmosphäre immer feuchter. Womit Plöger auf ein zu viel an versiegelten Flächen und die Flutkatastrophe von Valencia und die dort gefallenen Regenmengen (771 mm in 24 h)  zu sprechen kam – einschließlich der expontiellen Beziehung zwischen Temperaturanstieg und Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre. Die dahinter stehenden exponentiellen Beziehungen erläuterte der Referent mit dem Falten eines 0,1 mm „dicken“ Blattes Papiers. Wenn man 103 mal gefaltet habe, lande man nicht in Bielefeld – das gefaltete Papier würde nicht mal längs ins Weltall passen. Im Hinblick auf die Valencia-Flut und die dortige Topographie warnte Plöger: „Und Sie haben bei Westwind auch Berge in der Nähe!“

Der rhetorisch begnadete Meteorologe warnte zudem vor einer oktroyierenden Politik beim Klimaschutz. Das würde erfahrungsgemäß bei den Adressaten zu pubertären Widerstand führen.

Seine ziemlich letzten Worte in seinem Referat:

„Wir müssen die Welt enkelfähig machen!“

„Dieser Planet baucht uns nicht, wir aber ihn!“

Ganz am Schluss plädierte Plöger für Entschleunigung und deren Vorteile.

Langanhaltender Applaus war die Reaktion der 220 Anwesenden auf den Vortrag von Plöger. Und Moderator Henrik Langholf lobte das „total gut gelungene Infotainment“.

Nach der Pause wurden sodann Vorschläge aus dem Publikum zur Klimaanpassung in Bad Krozingen und im Umland vorgestellt und diskutiert. Der Ak Klimaschutz wird die auf Karten eingetragenen Vorschläge der BürgerInnen auswerten und in die kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungspolitik einbringen. Einer der Vorschläge: Renaturierung des Neumagen zwischen Staufen und Bad Krozingen. Kritik wurde an der wenig Schwammstadt-adäquaten Plasterung der neu angelegten Mitte von Bad Krozingen geübt.

Meine Einschätzung: Der riesengroße Aufwand, so eine Veranstaltung mit Sven Plöger zu organisieren und die Sponsoren für die Finanzierung zu finden, hat sich voll gelohnt. Die Veranstaltung dürfte für die weitere Arbeit des Ak Klimaschutz in Bad Krozingen ein Booster gewesen sein.

nikolaus geiler, regioWASSER e.V.